Story 14.01.2026
700 Medikamente fehlen: Wie die Versorgung trotz Engpässen funktioniert
Was tun, wenn ein wichtiges Medikament fehlt? In Schweizer Apotheken gehören Lieferengpässe längst zum Alltag. Wie Galenica hilft, die Versorgung in der Schweiz zu sichern.
Es ist 08:15 Uhr in einer Quartierapotheke in der Romandie. Apothekerin Claire öffnet wie jeden Morgen die Liefermeldungen – und wieder erscheint ein Hinweis : Ein schmerzlindernder und entzündungshemmender Sirup ist nicht verfügbar. Wenig später steht eine Mutter mit ihrer Tochter vor dem Tresen: starke Ohrenentzündung. Das verordnete Präparat betrifft genau diesen Engpass. Claire könnte die beiden wegschicken. Doch sie entscheidet sich anders und stellt den benötigten Sirup im Labor der Apotheke selbst her – mit klassischen Hilfsmitteln wie Mörser, Waage und Messzylinder. Nur zwei Stunden später erhält das Mädchen das Schmerzmittel.
Was wie eine seltene Ausnahme wirkt, ist inzwischen Alltag in vielen Schweizer Apotheken: Sie müssen improvisieren, Alternativen finden und teilweise Medikamente selbst herstellen.
Ein Problem, das die ganze Schweiz betrifft
Die Schweiz erlebt derzeit so viele Versorgungsengpässe wie selten zuvor. Über 700 Medikamente sind momentan nicht lieferbar – von einfachen Schmerzmitteln über Antibiotika bis hin zu Medikamenten für komplexe Therapien. Die Ursachen sind vielfältig und meistens global. Andreas Koch, Leiter Wholesale & Logistics, bringt es auf den Punkt: «Wir sehen, wie fragil die internationalen Lieferketten geworden sind. Unsere Abhängigkeit von der Wirkstoffproduktion in Fernost ist sehr gross – und das spüren wir täglich.» Für Apotheken bedeutet das: zusätzlicher Aufwand und immer wieder Unsicherheit.
Auch der Bund sieht die Dringlichkeit. Er arbeitet derzeit an einer nationalen Strategie zur Verbesserung der Versorgungssicherheit – mit umfassenderen Pflichtlagern, einem nationalen Frühwarnsystem und der Stärkung der inländischen Produktion. Genau solche Initiativen sollen künftig verhindern, dass Engpässe unbemerkt entstehen oder Apotheken und andere Gesundheitsinstitutionen unvorbereitet treffen.
«Mit unserer Logistik können wir sicherstellen, dass 99 Prozent aller lieferbaren Medikamente innert eines Tages verfügbar sind.»
Andreas Koch, Leiter Wholesale & Logistics
Galenica: das unsichtbare Rückgrat der Versorgung
Kaum ein Unternehmen beeinflusst die Medikamentenversorgung der Schweiz so stark wie Galenica. Über die Grosshandelstochter Galexis beliefert das Unternehmen zwei Drittel aller Apotheken in der Schweiz, aber auch Ärzte, Spitäler und Heime – und bewegt jährlich über 100 Millionen Packungen. Andreas Koch sagt: «Mit unserer Logistik können wir zwar sicherstellen, dass 99 Prozent aller lieferbaren Medikamente innert eines Tages verfügbar sind. Aber der Medikamentenmangel beschäftigt uns natürlich stark, denn die Produkte fehlen ja auch in unseren Lagern.»
Fünf Ansätze für sichere Versorgung
Um dem Mangel zu begegnen, setzt die Galenica Gruppe an verschiedenen Punkten an:
1. Gemeinsam mit Behörden und Herstellern
Galenica steht in engem Austausch mit Behörden und internationalen Herstellern, um Sonderlösungen oder Importe zu ermöglichen. Dieses Zusammenspiel ist essenziell für die Versorgung.
2. Höhere Bestände – schnelle Versorgung
Das Netzwerk der Galenica hält Reserven für kritische Medikamente bereit. Diese Bestände helfen, kurzfristige Engpässe zu überbrücken und Apotheken stabil zu versorgen. «Wenn ein Produkt knapp wird, müssen wir sofort reagieren – umverteilen, Alternativen prüfen, transparent informieren. Genau dafür haben wir ausgeklügelte Logistiksysteme und langjährige Erfahrung», so Koch.
3. Daten statt Überraschungen
Mit hochmodernen Betriebs- und Lagerverwaltungssystemen und den Daten aus über 500 Apotheken erkennt Galexis frühzeitig Trends, die auf Engpässe hinweisen. Diese Steuerung wird in Zukunft immer wichtiger – sowohl für Galexis als auch für die nationale Versorgung.
4. Eigenherstellung in Apotheken
Fehlen Medikamente, beraten Apotheken intensiver und stellen gewisse verschreibungspflichtige Medikamente wie im oben beschriebenen Beispiel selbst her. In der Schweiz dürfen dies grundsätzlich alle öffentlichen Apotheken, sofern sie über die dafür notwendige kantonale Betriebsbewilligung verfügen.
5. Moderne Logistik als Sicherheitsfaktor
In den grossen Logistikzentren der Galexis liegt der Automatisierungsgrad bei rund 70 Prozent – und das macht die Versorgung effizient und zuverlässig. Hinzu kommen Innovationen wie eine lichtgesteuerte Technologie, die Mitarbeitende per Leuchtsignal zum richtigen Artikel führt, papierlose Prozesse, und ein vollautomatisiertes System, das Behälter zielgenau zu den Kommissionierplätzen bringt. Koch erklärt: «Automatisierung ist kein Selbstzweck. Sie hilft uns, jeden einzelnen Prozessschritt kontrollierbarer und sicherer zu machen.»
Blick nach vorn: Was Galenica weiter vorantreibt
Das Galenica Netzwerk investiert weiter in Lagerkapazität, neue Lieferquellen, digitale Tools für Apotheken, bessere Transparenz und in die Modernisierung der Logistikzentren. Ausserdem baut das Unternehmen seine Prognosefähigkeit aus – auch mittels künstlicher Intelligenz. Koch dazu: «Unser Ziel ist klar: Die Schweiz soll auch in herausfordernden Zeiten zuverlässig versorgt bleiben. Darauf arbeiten wir jeden Tag hin.»
Fazit: Versorgungssicherheit bleibt ein Gemeinschaftswerk
All das zeigt, dass das System der Medikamentenversorgung nur dann funktioniert, wenn alle Akteure eng zusammenarbeiten – Gesundheitsinstitutionen wie Apotheken oder Praxen, Behörden, Hersteller und die Logistik. Die Galenica Gruppe übernimmt dabei eine entscheidende Rolle. Mit modernen Logistikzentren, starken Partnerschaften, klaren Prozessen und zuverlässigen Mitarbeitenden stellt das Unternehmen sicher, dass benötigte Medikamente möglichst immer zur Verfügung stehen.