Thembild zu Artikel: Fünf Fussballfelder voller Medikamente – und ein System für den Ernstfall
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Fünf Fussballfelder voller Medikamente – und ein System für den Ernstfall

In Burgdorf lagern Millionen Medikamentenpackungen. Ein Teil davon ist für den Moment bestimmt, in dem der Markt nicht mehr liefern kann. Wie dieses Pflichtlager funktioniert und angezapft wird, warum es kein verstaubter Notvorrat ist und welche Rolle die Galenica-Netzwerkfirma Alloga für die Versorgung der Schweiz spielt.

Husten, hohes Fieber, der Arzt verschreibt ein Antibiotikum. Doch beim Hersteller stockt gerade die Produktion und die Apotheke erhält vorübergehend keinen Nachschub. Solche Engpässe betreffen längst nicht nur Antibiotika: 2025 meldeten Unternehmen in der Schweiz 218 Versorgungsstörungen bei Arzneimitteln. In 127 Fällen gab der Bund so genannte Pflichtlagerbestände frei, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu sichern.

Von Antibiotika über Schmerzmittel bis Krebstherapien

Ein Teil dieser Reserve liegt in Burgdorf, in einem Lager so gross wie fünf Fussballfelder. Verantwortlich dafür ist Bernhard Megert, der die Alloga AG ad interim führt – eine Pharma-Logistikerin der Galenica-Gruppe. Für rund 100 Pharmaunternehmen lagert und verwaltet Alloga hier Medikamente. Jährlich verlassen rund 100 Millionen Packungen das Lager – die Hälfte aller in der Schweiz verkauften Medikamente. Ein Teil davon gehört zum gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtlager: Aktuell müssen Pharmaunternehmen 120 Wirkstoffe lagern, von Antibiotika über Schmerzmittel bis zu Krebstherapien. Die Liste wächst seit Jahren, weil Lieferengpässe zunehmen. Das Pflichtlager greift nicht automatisch: Erst wenn der Markt eine Störung nicht selbst auffangen kann, gibt der Bund die Reserve frei.

Bernhard_Megert
«Pflichtlager sind bei uns kein Bestand, der irgendwo steht und wartet. Er lebt im Tagesgeschäft mit.»
Bernhard Megert, CEO Alloga

Kein Bunker, sondern ein Kreislauf

Viele stellen sich ein Pflichtlager als abgeschottete Reserve vor, die irgendwo verstaubt. Megert präzisiert: «Pflichtlager sind bei uns kein Bestand, der irgendwo steht und wartet. Er lebt im Tagesgeschäft mit.» Konkret heisst das: Alloga lagert Pflichtlagerware nicht separat, sondern mitten im normalen Lager. Das System verschickt zuerst immer die Ware mit dem kürzesten Verfalldatum, neue Chargen rücken nach. So erneuert sich der Bestand regelmässig.

Meldet ein Pharmaunternehmen Alloga eine Pflichtlagermenge, hinterlegt Alloga sie im System. Sinkt der Bestand auf diese Menge, blockiert das System automatisch weitere Bestellungen. So bleibt die Reserve geschützt, ohne dass jemand sie von Hand überwachen muss. Helvecura, die Pflichtlager-Organisation der Pharmabranche, organisiert das Pflichtlagersystem für Heilmittel. Sie schliesst mit den verpflichteten Pharmaunternehmen die nötigen Verträge ab und kontrolliert die Bestände. Alloga sorgt dafür, dass die gemeldeten Pflichtlagerbestände im Tagesgeschäft korrekt geführt, geschützt und für Kontrollen bereitstehen. Über die Freigabe entscheidet aber weder Alloga noch Helvecura, sondern der Bund. «Wir sind nie Eigentümerin der Medikamente», betont Megert. Sein Team übernimmt die operative Verantwortung: Es lagert die Medikamente, dokumentiert die Bestände und sorgt dafür, dass sie für Kontrollen bereitstehen.

Wenn das Netzwerk gefragt ist

«Als Teil der Galenica-Gruppe profitieren wir von einem grösseren Krisenmanagement, einer starken IT-Infrastruktur und Fachleuten aus verschiedensten Bereichen», sagt Megert. Alloga steht im Ernstfall also nicht allein da, sondern eingebettet in ein Netzwerk, zu dem weitere Galenica-Gesellschaften gehören.

Wie belastbar das System ist, zeigt sich bei plötzlichen Nachfragespitzen, etwa bei einer starken Grippewelle. Dann steigt der Bedarf an fiebersenkenden Schmerzmitteln rasch an, und die verfügbaren Lieferungen müssen schnell und gezielt zu den richtigen Stellen gelangen. Laut Megert beginnt die eigentliche Belastungsprobe aber oft erst danach: «In solchen Phasen stauen sich viele Bestellungen bei uns. Wenn die Versorgung wieder hochgefahren wird und die ersten Lieferungen eintreffen, müssen wir den Bestellrückstand zusätzlich zum Tagesgeschäft aufarbeiten. Dafür braucht es Kapazität.»

Wer bezahlt die Reservelager?

«Als Teil der Galenica-Gruppe profitieren wir von einem grösseren Krisenmanagement, einer starken IT-Infrastruktur und Fachleuten aus verschiedensten Bereichen», sagt Megert. Alloga steht im Ernstfall also nicht allein da, sondern eingebettet in ein Netzwerk, zu dem weitere Galenica-Gesellschaften gehören.

Wie belastbar das System ist, zeigt sich bei plötzlichen Nachfragespitzen, etwa bei einer starken Grippewelle. Dann steigt der Bedarf an fiebersenkenden Schmerzmitteln rasch an, und die verfügbaren Lieferungen müssen schnell und gezielt zu den richtigen Stellen gelangen. Laut Megert beginnt die eigentliche Belastungsprobe aber oft erst danach: «In solchen Phasen stauen sich viele Bestellungen bei uns. Wenn die Versorgung wieder hochgefahren wird und die ersten Lieferungen eintreffen, müssen wir den Bestellrückstand zusätzlich zum Tagesgeschäft aufarbeiten. Dafür braucht es Kapazität.»

Wie die Medikamentenversorgung trotz Engpässen funktioniert

Was tun, wenn ein wichtiges Medikament fehlt? In Schweizer Apotheken gehören Lieferengpässe längst zum Alltag. Wie Galenica hilft, die Versorgung in der Schweiz zu sichern.

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